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Freitag, den 14. September 2012 um 07:43 Uhr

TreppenhandlaufTreppenhandlauf

Wie wir bereits vorherigen Blogfolgen gesehen haben, hat ein Geländer sowohl die Funktion der Absturzsicherung als auch die der Personenführung. Während die Geländerfüllung Abstürze beim Benutzen der Treppe verhindert, übernimmt der Treppenhandlauf die Funktionen der Personenführung und der Absturzsicherung. Denn der Handlauf führt seinen Benutzer beim Treppengehen und bietet ihm Halt, sollte er einmal stolpern. Der Treppenhandlauf erfüllt diese Aufgabe aber nicht nur als oberer oder zusätzlicher Bestandteil eines Geländers, sondern auch als separater Wandhandlauf. In der heutigen Blogfolge schließen wir unseren Überblick über die einschlägigen Sicherheitsvorschriften in den Bauordnungen der Länder, dem Arbeitsschutzrecht des Bundes und in den DIN-Vorschriften ab und erläutern die Vorschriften, die die Sicherheit für einen Treppenhandlauf gewährleisten sollen.

 

 

Gesetzliche Vorschriften

Gesetzliche Vorschriften über die Beschaffenheit von Handläufen finden sich in den Landesbauordnungen, z. B. in Art. 35 Abs. 6 Bayerische Bauordnung oder in § 30 Abs. 5 Hessische Bauordnung. Die DIN-Norm 18065 in ihrer Fassung vom Juni 2011 enthält weitere detaillierte Sicherheitsvorschriften für Handläufe an Wänden oder als Teil von Geländern.

Eine weitere wichtige Bestimmung für Handläufe als Bestandteil von Geländern ist im Arbeitsschutzrecht des Bundes, in § 12 Abs. 1 bis 3 Arbeitsstättenverordnung in Verbindung mit der Arbeitsstättenrichtlinie 12/1-3 - Schutz gegen Absturz und herabfallende Gegenstände – im Abschnitt 2.2 geregelt.

Diese Regelungen geben Antwort darauf, wann ein Handlauf notwendig ist, in welcher Höhe er angebracht werden muss und wie ein Handlauf ausgestaltet werden soll, damit bei einer Treppe eine sichere Personenführung und eine Absturzsicherung gewährleistet sind. Wichtige Vorschriften für eine kindersichere Treppe enthält die DIN-Norm 18065.

Paragrafen

Paragrafen

Handlauf – Detail

Handlauf – Detail

Handlauf an der Wand

Handlauf an der Wand

Begriff des Handlaufs

Die DIN 18065:2011-06 definiert im Abschnitt 3.19 den Handlauf als griffsichere Gehhilfe für Personen am Treppengeländer und/oder an der Wand bzw. Spindel und bezeichnet die Gehhilfe, die bei sehr breiten Treppen im Treppenlauf angebracht wird, als Zwischenhandlauf.

Handlauf als Geländer

Handlauf als Geländer

Handlauf an der Spindel

Handlauf an der Spindel

 

Notwendigkeit eines Handlaufs

Soweit nicht in der Bauordnung eines Bundeslandes anders geregelt, müssen Treppen mit mehr als vier Stufen mindestens auf einer Seite einen Handlauf haben. Treppen, die eine große nutzbare Breite haben, müssen, soweit die Verkehrssicherheit dies erfordert, an beiden Seiten einen Handlauf und gegebenenfalls auch einen Zwischenhandlauf haben. Dies ist zum Beispiel in Art. 35 Abs. 6 Bayerische Bauordnung oder § 30 Abs. 4 Hessische Bauordnung geregelt.

Der Handlauf muss entweder separat an der Wand angebracht werden oder kann – wie oft üblich – als Oberkante eines Treppengeländers ausgestaltet werden (vergl. DIN 18065:2011-06 Abschnitt 6.9.1).

Treppengeländer, die höher als 115 cm sind, müssen nach dieser DIN-Norm einen gesonderten tieferliegenden Handlauf haben.

Handlauf als Oberkante des Geländers

Handlauf als Oberkante des Geländers

durchgehender Handlauf

durchgehender Handlauf

Beschaffenheit des Handlaufs

Der Handlauf soll gem. DIN 18065:2011-06 Abschnitt 6.9.1 fest und griffsicher sein und eine zu greifende Breite zwischen 2,5 cm und 6 cm haben. Handläufe aus Holz müssen mindestens 4,5 cm breit sein.

Handläufe sollten eine runde bis ovale Form haben und aus einem handwarmen Material bestehen.

Der Seitenabstand des Treppenhandlaufs von benachbarten Bauteilen, zum Beispiel der Hauswand, muss mindestens 5 cm betragen (vgl. DIN 18065:2011-06 Abschnitt 6.9.2).

Treppenhandläufe sollten durchgehend gefertigt werden. In Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen und innerhalb von Wohnungen dürfen Handläufe bei Wendeltreppen im Wendelungsbereich unterbrochen sein, wobei die Höhe des ankommenden Handlaufs nicht über dem weiterführenden Handlauf liegen darf.

Bei notwendigen Treppen in Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen und innerhalb von Wohnungen darf der lichte Abstand einer Handlaufunterbrechung nicht kleiner als 5 cm und nicht größer als 20 cm sein (vgl. DIN 18065:2011-06 Abschnitt 6.9.3).

Damit Wandhandläufe besser gesehen werden, sollten sie sich durch ihre Farbe kontrastreich vom Hintergrund abheben.

unterbrochener Handlauf

unterbrochener Handlauf

 

Höhe des Handlaufs

Der Handlauf muss in einer Höhe zwischen 80 cm und 115 cm montiert sein. Deshalb muss bei einem Geländer, das höher als 115 cm ist, ein zusätzlicher Handlauf in der vorgeschriebenen Höhe zwischen 80 cm und 115 cm angebracht werden.

Bei Geländern mit einer oder mehreren Knieleisten darf der Abstand zwischen Knieleiste und Handlauf nicht mehr als 50 cm betragen (vgl. Arbeitsstättenrichtlinie 12/1-3 - Schutz gegen Absturz und herabfallende Gegenstände – Abschnitt 2.2).

Höhe des Handlaufs

Höhe des Handlaufs

 

Weitere Sicherheitsanforderungen

Handläufe müssen vor Fenstern und Maueröffnungen angebracht werden. Sie erhöhen die Sicherheit der Treppen, wenn sie mindestens 30 cm über die erste und letzte Stufe der Treppe führen. Das Ende des Geländers sollte durch ertastbare und möglichst kontrastreiche Elemente angezeigt werden.

 

 

Kindersicherheit

Die DIN 18065:2011-06 schreibt im Abschnitt 6.8.3 vor, dass ein Geländer so gestaltet werden muss, das Kindern ein Überklettern des Geländers erschwert wird. Dies kann dadurch erreicht werden, dass der Handlauf um mindestens 15 cm nach innen gezogen angebracht wird.Treppen in Wohngebäuden mit ein bis zwei Wohnungen oder innerhalb von Wohnungen hat die DIN 18065 ausdrücklich von dieser Vorschrift ausgenommen. Es ist zu beachten, ob die entsprechenden Landesbauordnung andere Regelungen vorsieht.

Die Kindersicherheit einer Treppe kann auch durch einen zusätzlichen Handlauf erhöht werden. Dieser sogenannte Kinderhandlauf sollte in einer Höhe von 65 bis 75 cm entweder am Geländer oder an der Wand angebracht werden, so dass Kinder sich beim Begehen der Treppe gut festhalten können.

Kinderhandlauf

Kinderhandlauf
 

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