97786 Motten
Fon (09748) 91 33 0
Fax (09748) 91 33 22

Freitag, den 25. Mai 2012 um 07:03 Uhr

Treppengeländer Teil 2Treppengeländer Teil 2

Wie wir schon im 1. Teil der Blogfolge über die Treppengeländer gesehen haben, trägt die Beschaffenheit eines Geländers ganz wesentlich zur Sicherheit einer Treppe bei. Auf die Frage, welche Voraussetzungen ein Geländer erfüllen muss, damit es dieser Aufgabe gerecht werden kann, geben die Bauordnungen der einzelnen Bundesländer, das Arbeitsschutzrecht des Bundes sowie die entsprechenden DIN-Normen Antwort. Wir vermitteln Ihnen heute einen Überblick über die einschlägigen Vorschriften, die ein Geländer erfüllen muss, damit es den gesetzlichen Anforderungen und dem Stand der Technik entspricht.

 

 

Gesetzliche Vorschriften

Gesetzliche Vorschriften über die Treppensicherheit finden sich in den Landesbauordnungen, wie z.B. in Art. 32 Bayerische Bauordnung oder in § 35 Hessische Bauordnung. Die einschlägigen DIN-Normen für die Treppenplanung sind die DIN 18065 (Gebäudetreppen), die mittlerweile in der neuen Fassung vom Juni 2011 vorliegt, sowie die DIN 1055 (Eigen- und Nutzlasten bei Geländern).

Weitere wichtige Anforderungen für sichere Treppen sind im Arbeitsschutzrecht des Bundes, insbesondere in § 12 Abs. 1 bis 3 Arbeitsstättenverordnung in Verbindung mit der Arbeitsstättenrichtlinie 12/1-3 - Schutz gegen Absturz und herabfallende Gegenstände – geregelt.

Diese Regelungen geben Antwort darauf, wann ein Geländer notwendig ist, wie hoch und wie standfest ein sicheres Geländer sein sollte. Auch zur Beschaffenheit des Handlaufs, der Geländerfüllung und zum Schutz von Kindern, die unbeaufsichtigt auf einer Treppe womöglich schwer verunglücken können, finden sich in diesen Vorschriften wichtige Richtwerte.

Paragrafen

Paragrafen

 

Notwendigkeit eines Geländers

Treppen, die an ihrer freien Seite eine seitliche Absturzhöhe mit mehr als 1 Meter haben, müssen mit einem Geländer gesichert sein. (Arbeitsstättenrichtlinie 12/1-3, z. B. § 35 Abs. 1 Nr. 1 Hessische Bauordnung, DIN 18065 Abschnitt 6.8.1).

 

Geländerhöhe

Die Höhe des Geländers wird ab Stufenvorderkante bzw. ab der Oberfläche bei Podesten gemessen.
Bei einer Absturzhöhe von 1 m bis 12 m schreiben alle Landesbauordnungen für Wohngebäude eine Geländerhöhe von mindestens 0,90 m und für Arbeitsstätten von mindestens 1,0 m vor (z. B. § 35 Hessische Bauordnung). Bei einer möglichen Absturzhöhe von mehr als 12 m muss ein Geländer mindestens 1,10 m hoch sein. Die Arbeitsstättenverordnung fordert dagegen auch für Geländer, die an Treppen mit einer Absturzhöhe von weniger als 12 m angebracht werden, eine Mindesthöhe von 1 m. Insofern hat das einheitliche Bundesrecht für gewerbliche Bauten Vorrang vor den landesrechtlichen Bauvorschriften. Geländer in bereits errichteten gewerblich genutzten Gebäuden brauchen jedoch nicht erhöht zu werden, soweit sie den Bauvorschriften des jeweiligen Landes entsprechen.
Ausnahmen sieht die DIN 18065 6.8.2 für Treppen vor, bei denen das Treppenauge nicht mehr als 20 cm breit ist: hier darf das Geländer auch 90 cm hoch sein.

Geländerhöhe

Geländerhöhe

 

Die Standfestigkeit eines Geländers

Nach der DIN 1084 sollte die Standfestigkeit eines Geländers bei Treppen in Wohngebäuden mindestens 500 N (Newton) pro Meter Geländer betragen. Das entspricht einer horizontalen Kraft von 50 kg.
Diese Krafteinwirkung ist an der Innenseite des Geländers in Höhe des Handlaufs, jedoch nicht höher als 1,2 m über dem Fertigfußboden zu messen.

Standfestigkeit

Standfestigkeit

 

Handlauf

Soweit nicht in der Bauordnung eines Bundeslandes anders geregelt, müssen Treppen mit mehr als vier Stufen mindestens auf einer Seite einen Handlauf haben.Der Handlauf muss in einer Höhe zwischen 0,80 m und 1,15 m montiert sein. In der Regel wird die Oberkante eines Treppengeländers als Handlauf gestaltet. Ist ein Geländer höher als 1,15 m, dann muss es mit einem zusätzlichen tiefer liegenden Handlauf ausgerüstet werden (DIN 18065 6.9.1). Der Handlauf sollte gut zum Greifen sein, das heißt, er sollte eine Breite von mindestens 25 mm und höchstens 60 mm aufweisen. Handläufe aus Holz müssen mindestens 45mm breit sein.

Handlauf

Handlauf

Geländerfüllung mit senkrechten Stäben

Geländerfüllung mit senkrechten Stäben

Geländerfüllung

Geländerfüllungen bestehen aus senkrechten oder waagrechten Füllstäben oder auch aus Drahtseilen oder Glasscheiben.

Die Geländerfüllung sollte so beschaffen sein, dass Personen nicht hindurchfallen können. Bei Geländerfüllungen darf der lichte Abstand der einzelnen Stäbe nicht mehr als 12 cm betragen. Diese Vorschrift gilt nach der DIN 18065 nicht für Treppen in Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen und innerhalb von Wohnungen.

Geländerfüllung mit waagrechten Stäben, sogenanntes Relinggeländer

Geländerfüllung mit waagrechten Stäben, sogenanntes Relinggeländer

 

Geländerabstand zur Treppe und zum Treppenpodest

Ist das Geländer neben einem Treppenlauf oder einem Podest angebracht, darf der seitliche Abstand zwischen der Stufe beziehungsweise dem Podest und der Unterkante des Geländers nicht mehr als 6 cm ausmachen. Dabei ist die Unterkante des Geländers so tief zu ziehen, dass sie mit einer gedachten Linie von Stufenoberkante zu Stufenoberkante zusammenfällt. Die letztere Vorschrift gilt nicht für Treppen, die in Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen oder innerhalb von Wohnungen liegen.

Befindet sich die Unterkante des Geländes unterhalb der Trittstufen oder eines Podests, dann muss der lichte Abstand zwischen Geländer und Treppe mindestens 2 cm betragen. Auch von dieser Vorschrift sind Treppen ausgenommen, die in Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen oder innerhalb von Wohnungen liegen.

Bei Geländern, die über einem Treppenlauf angebracht sind, muss die Unterkante des Geländers so tief liegen, dass es bei keiner Stufe möglich ist, einen Würfel mit einer Kantenlänge von 15 cm zwischen ihr und der Unterkante des Geländers durchzuschieben. Liegt das Geländer über einem Treppenpodest, muss die Unterkante des Geländers so tief montiert sein, dass ein Würfel mit einer Kantenlänge von 12 cm nicht durchpasst. Auch diese Anforderungen gelten nach der DIN 18065 nicht für Treppen in Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen oder innerhalb von Wohnungen.

Geländerabstand

Geländerabstand

 

Kindersicherheit – gesetzliche Regelungen

Da Geländer mit waagrechten Füllstäben Kinder zum Überklettern verleiten können, sind im Hinblick auf die Kindersicherheit Geländer mit senkrechten Füllstäben vorzuziehen. Ein Überklettern wird auch durch Anbringen einer Scheibe im unteren Bereich des Geländers bis zu einer Höhe von 70 cm oder durch einen nach innen gezogenen Handlauf erschwert.

Bei Geländern mit senkrechten Füllstäben sollte der Abstand der einzelnen Füllstäbe von einander nicht mehr als 12 cm ausmachen.

Die oben beschriebenen Vorschriften zur Kindersicherheit finden sich in der DIN 18065 und in einigen Landesbauordnungen, wie der Hessischen Bauordnung. Zu beachten ist jedoch, dass diese Regelungen nur dann gelten, wenn in dem jeweiligen Haus mit der ständigen oder häufigen Anwesenheit von Kindern zu rechnen ist.

Nach der DIN 18065 Abschnitt 6.8.3 gelten diese Anforderungen in Bezug auf die Kindersicherheit nicht für Treppen in Wohnungen und in Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen. Deshalb sind in den meisten Bundesländern nicht kindersichere Geländer mit waagrechten Füllstäben oder senkrechten Füllstäben mit einem lichten Abstand von 12 cm in Ein- oder Zweifamilienhäusern kein Verstoß gegen diese Din-Norm und damit auch nicht zu beanstanden. In den Bundesländern, deren Bauordnungen strengere Schutzvorschriften zur Kindersicherheit vorsehen - zum Beispiel in Hessen -, muss der Treppenbauer aber eine zusätzliche Absturzsicherung (zum Beispiel Scheiben aus Acryl oder anderen Materialien) an einem Geländer, das nicht kindersicher ist, anbringen. Allerdings braucht diese Kindersicherung nur für die Zeit montiert zu sein, in der kleine Kinder in dem Haushalt leben oder Besuch mit kleinen Kindern kommt.

Kindersicheres Geländer

Kindersicheres Geländer

Hier finden Sie den 1. Teil unserer Blogfolge "Treppengeländer".

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren